Egmont

Giuliano Musios neuer Prosatext zu Beethovens »Egmont« ersetzt den üblichen Deklamationstext, der in Versform die Handlung von Goethes Stück wiedergibt. Musio hat sich von Goethes »Egmont« gelöst und sich stattdessen nur auf die historischen Ereignisse gestützt, die Goethe als Vorlage dienten. So hat er aus dem Egmont-Stoff eine eigenständige, neue Erzählung geschaffen. Dabei nutzte er die Gelegenheit, gerade in diejenigen Bereiche vorzudringen, die Goethe verwehrt waren – sei es, weil sie sich auf der Bühne nicht umsetzen liessen oder weil bestimmte Informationen damals noch nicht zur Verfügung standen. Der zeitliche Rahmen ist zudem weiter gesteckt: Die Handlung beginnt vor Goethes »Egmont« und führt darüber hinaus, überdies wird das Geschehen in einen historischen Gesamtkontext gesetzt. Einzig in Bezug auf den dramaturgischen Aufbau, der für Beethovens Schauspielmusik massgebend ist, diente das Stück als Orientierung. Da die Figur von Clärchen eine Erfindung Goethes ist, fehlt sie naturgemäss in Musios Konzept.

»Gekommen ist das Publikum für die Musik. Gefesselt aber wurde es vor allem durch einen Text, den es so nicht erwartet hätte. Poetisch und elegant im Sprachduktus, verbindet Musios Text die Nummern von Beethovens ›Egmont‹. Ernsthaft, aber mit subtil-doppelbödiger Ironie wird die Geschichte des Brüsseler Helden erzählt, leben historische Gestalten auf.«

(»Der Bund«)

 

»Hier bietet sich Platz für reizvolle Neufassungen, wie es kürzlich etwa dem Schweizer Schriftsteller Giuliano Musio für Aufführungen mit dem Berner Kammerorchester gelungen ist. Der niederländische Befreiungskampf erscheint bei ihm als Teil des ewigen Blutbads der Geschichte, in dem es keine endgültigen Sieger gibt. Wo Egmont bei Goethe von einem verträumten Klärchen in den Tod begleitet wird, leidet bei Musio Egmonts Ehefrau realistischer unter der Selbstopferung ihres Mannes. Das läuft auf eine Entheroisierung des Stoffs hinaus, die zeitgemäss lakonisch daherkommt, ohne weniger poetisch zu sein.«
(»NZZ«)

 

»Der Text des Schweizer Autors charakterisiert, mit sanfter Ironie und ohne Pathos, die widersprüchliche Persönlichkeit des Freiheitshelden und beleuchtet gleichzeitig das Verhalten Egmonts aus gegenwärtiger Sicht. Eine zeitübergreifende Erzählung, die sich nahtlos ins musikalische Geschehen einfügt. Bemerkenswert, dass Musio – anders als das Trauerspiel – Egmont seine Ehefrau Sabina, Mutter von elf Kindern, zur Seite stellt, und nicht das geliebte Klärchen.«
(»Main-Post«)

Aufführungen

 

Berner Kammerorchester:

1. November 2019: Casino Bern

 

Meininger Hofkapelle:

12. September 2020: Meininger Staatstheater

20. September 2020: Meininger Staatstheater

22. November 2020: Meininger Staatstheater

18. Dezember 2020: Meininger Staatstheater

 

Kammerphilharmonie Graubünden:

21. November 2020: Aula der Pädagogischen Hochschule, Kreuzlingen

22. November 2020: Theater Chur